Viel zu lange ist es her seit meinem letzten Beitrag hier. Und wann mal wieder etwas schreiben, wenn nicht jetzt zur WM? Also los! Während der vergangenen Bundesliga-Saison habe ich es noch nicht für möglich gehalten, mich für diese Weltmeisterschaft irgendwie begeistern zu können. Dafür gab es einfach zu viele Kontroversen, Skandale und andere Nebengeräusche. Die allgemeine politische Lage in den USA, die völlig überteuerten Ticketpreise der FIFA, 48 Mannschaften, Zugtickets für 150 Dollar von Manhattan nach New Jersey. Und das sind nur einige wenige Beispiele. Aber dann war die Bundesliga vorbei, der Deutsche Kader wurde bekannt gegeben und es war um mich geschehen. Auf einmal überlegt man kurzfristig noch nach Mainz zum Testspiel gegen Finnland zu fahren und die Mannschaft in Richtung USA zu verabschieden. Es ist halt einfach Fußball, was soll ich machen? Die Spieler und der wunderbare Sport kann für das alles ja schließlich nichts.
Schon vor der Weltmeisterschaft wurde von 80 Millionen Bundestrainern bereits diskutiert. Nichts neues! Manuel Neuer ist das große Stichwort. Nach seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft hütete Oliver Baumann in der Qualifikation das deutsche Tor. Dann kam die lebende Legende zurück und steht natürlich auch sofort als Nummer 1 zwischen den Pfosten. Obwohl er während der gesamten Saison häufig verletzt war, den Bayern besonders zum Schluss sehr viel gefehlt und beide Testspiele der Nationalelf verpasst hat. Auch über Leroy Sané wird viel diskutiert, der es bei Galatasaray in der türkischen Liga in 28 Einsätzen „nur“ auf 7 Tore und 5 Vorlagen brachte. Davon nur 1 Tor und 2 Vorlagen in der Rückrunde. Die Kritik an Bundestrainer Nagelsmann ist in diesem Fall groß, der Sané nicht nur nominiert hat, was viele schon nicht verstehen, sondern ihn wohl auch als Stammspieler sieht. Und das, obwohl sowohl Jamie Leweling beim VfB Stuttgart und auch Kevin Schade, der mit Brentford nur knapp die europäischen Ränge verpasst hat sehr gute Saisons gespielt haben. Die Kritik ist berechtigt, wie ich finde. Allerdings teilweise übertrieben.
Das erste Spiel gegen Curacao ist mittlerweile schon gespielt. Und die „Blue Wave“ war überraschenderweise auf einem Level mit Brasilien. 😉 Spaß beiseite. Nach einem kleinen Wackler vor der Trinkpause in der ersten Halbzeit ist Deutschland seiner Favoritenrolle in dem Spiel absolut gerecht geworden. Vor allem Felix Nmecha. Kai Havertz und Deniz Undav haben mit guten Leistungen überzeugt. In Houston haben sie ihre vorher angemeldeten Titelambitionen auf jeden Fall untermalt. Und wer weiß, vielleicht springen ja jetzt auch mal die „Deutschland fliegt ja sowieso WIE IMMER in der Vorrunde raus“-Menschen mal mit auf den Euphorie-Zug auf. Und die beiden meist diskutierten Spieler? Manuel Neuer hatte nicht viel zu tun und konnte sich nicht auszeichnen. Am Gegentor kann er nicht viel machen, da der Schuss von Kimmich noch abgefälscht wurde. Und Leroy Sané? Er wirkte sehr bemüht, aber irgendwie schien viele Angriffe im Sande zu verlaufen, an denen er beteiligt war. In der 63. Minute ließ er auch noch eine Großchance liegen, als ihn Tah mustergültig in Szene setzte. Meine Meinung: Eigentlich kann Nagelsmann ihn gegen die Elfenbeinküste am Samstag nicht mehr aufstellen. Wenn er es doch tut, muss Sané liefern. Sonst gehen dem Bundestrainer langsam jegliche Argumente aus.
Generell lieferte der erste Spieltag schon fast alles, was man sich von einer Weltmeisterschaft erhofft. Drei rote Karten im Eröffnungsspiel! Die US-Amerikaner glauben an den Titel und fragen sich gleichzeitig, warum Lionel Messi nicht für sie spielt, obwohl er doch für Inter Miami aufläuft. Die Schottischen Fans mischen die USA auf, trinken Bostons Kneipen leer und zeigen den amerikanischen Fans beim Baseball schauen im legendären Fenway Park, wie Stimmung geht. Schweden gewinnt mit 5:1 gegen Tunesien und hat damit deren Trainer auf dem Gewissen, der nach dem Spiel seine Koffer packen musste. England und Kroatien lieferten sich einen Schlagabtausch auf Top-Niveau. Lionel Messi schießt mit einem Hattrick Algerien ab. Die niederländischen Fans tauchen Dallas in orange. Portugal strauchelt mit Cristiano Ronaldo in der Startelf gegen den Kongo und kommt nicht über ein Unentschieden hinaus. Und die Türkei? Die macht wieder Türkei-Sachen und reist als selbsternannter Geheimfavorit an, nur um dann am ersten Spieltag gegen Australien baden zu gehen. Und DIE Geschichte des Turniers bisher? Das kann nur Vozinha sein. Der 40-jährige Torwart aus der zweiten portugiesischen Liga, der den Europameister Spanien komplett in die Verzweiflung trieb und Kap Verde tatsächlich einen Punkt (0:0) rettete.
Und was machen eigentlich die drei Gastgeber? Die Mexikaner scheinen im 17-jährigen Gilberto Mora ihren Messi(as) gefunden zu haben, der bei seiner Einwechslung bereits bejubelt wurde als hätte er ein Tor geschossen. Überzeugt haben sie trotz eines 2:0 Sieges gegen schwache Südafrikaner nicht wirklich. Bei „El Tri“ ist definitiv noch Luft nach oben. Aber mit ihren Fans im Rücken muss man die erstmal schlagen. Und die waren im Fußballtempel Estadio Azteca selbstverständlich voll dabei. Die Kanadier lieferten sich mit Bosnien und Herzegowina einen echten Fight. Schöner Fußball war dort nur in Ansätzen zu sehen. Trotzdem war das Spiel aufgrund des hohen Einsatzes, den beide Teams definitiv an den Tag legten ziemlich kurzweilig. Positiv überrascht war ich tatsächlich von den US-Amerikanern. Die spielten gegen Paraguay teilweise wirklich ansehnlichen Fußball. Vor allem über die linke Seite mit Christian Pulisic und Antonee Robinson vom FC Fulham ging richtig viel. Und Stürmer Folarin Balogun von AS Monaco stellte mit zwei Toren seine Vollstreckerqualitäten unter Beweis. Ob es am Ende für den Titel reicht? Die Amerikaner glauben jedenfalls spätestens jetzt dran. Und ich bin bereit für Spieltag 2 und alles, was noch kommt.

Hinterlasse einen Kommentar